Botulinumtoxintherapie

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Was ist Botulinumtoxin und wie wirkt es?

Question-Mark-Icon.grey-26Botulinumtoxin ist ein von dem weltweit vorkommenden anaeroben Bakterium Clostridium botulinum produziertes Eiweiß (Toxin). Gelangt dieses Bakterium in Lebensmittel, kann es den sogenannten Botulismus, eine lebensbedrohliche Lebensmittelvergiftung, verursachen.

Botulinumtoxin führt an den Nervenendigungen zu einer Hemmung der Ausschüttung eines für die Erregungsübertragung vom Nerven auf den Muskel wichtigen chemischen Botenstoffes (Acetylcholin) und damit zu einer Hemmung der Impulsübertragung vom Nerven auf den Muskel. Es resultieren reversible Lähmungen der quergestreiften und glatten Muskulatur. Dieser Effekt wird therapeutisch genutzt: durch lokale Injektionen in krankhaft überaktive Muskeln können diese gezielt ruhiggestellt werden.

Weiteres bewirkt Botulinumtoxin eine Hemmung der Sekretion von Tränen-, Schweiß- und Speicheldrüsen, diese Wirkung wird zum Beispiel bei der Behandlung der pathologisch erhöhten Schweißsekretion (Hyperhidrosis) genutzt.

Wie lange hält die Wirkung an?

wait_time_1891_1_cloned_1892 KopieNach intramuskulärer Injektion setzt die Wirkung von Botulinumtoxin innerhalb von wenigen Tagen ein (auch abhängig von der Dosis und Größe des Muskels) und hält durchschnittlich 3 – 4 Monate. Die Wirkdauer kann individuell sehr unterschiedlich sein. Danach ist eine erneute Injektion erforderlich, die Dosis wird in Abhängigkeit vom vorangegangen Wirkeffekt angepasst. Es handelt sich bei dieser Therapie also nicht um eine Heilung, sondern um eine zeitlich begrenzte Linderung von Symptomen. Eine durch die Behandlung unbeabsichtigt auftretende Nebenwirkung bildet sich dementsprechend auch wieder vollständig zurück. Es ist also problemlos eine langdauernde, ggf. jahrzehntelange Therapie mit Botulinumtoxin möglich.

Indikationen für die Anwendung von Botulinumtoxin

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  • Blepharospasmus (Lidkrampf)
  • Spasmus hemifacialis und koexistierende fokale Dystonien
  • Torticollis spasmodicus (Schiefhals)
  • Spitzfuß
  • Spastik der Hand
  • Hyperhidrosis (übermäßiges Schwitzen)
  • chronische Migräne

Botulinumtoxin-A wird weiters auch zur Behandlung von kosmetisch störenden Gesichtsfalten verwendet. Durch die gezielte Hemmung bestimmter Gesichtsmuskeln, hauptsächlich im Stirnbereich, neben den Augen und über der Nase kann dort ein Verstreichen der Faltenbildung erzielt werden. Der Einsatz von der Substanz erfolgte hierbei allerdings außerhalb der medizinischen Indikation, eine Zulassung für diese spezielle Indikation besteht nicht.

Welche Gegenanzeigen bestehen?

Security iconDie Behandlung darf nicht erfolgen bei Erkrankungen der neuromuskulären Erregungsübertragung (Myasthenie, Lambert-Eaton-Syndrom), in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Blutern oder unter Einnahme von Antikoagulantien (Marcoumar, Falithrom), schweren Infektionen im Injektionsgebiet sowie bei schweren Myopathien.

Welche Risiken bestehen und welche und Nebenwirkungen könne auftreten?

Preventing_Adverse_Events_bearbeitet-1Grundsätzlich bilden sich unerwünschten Begleiterscheinungen- ebenso wie die erwünschte Wirkung- innerhalb von Wochen komplett zurück!

Die typischen, meist seltenen akuten Risiken und Nebenwirkungen sind Dosis- und indikationsabhängig! Es können Blutergüsse und lokale Reizerscheinungen im Injektionsbereich auftreten, weiter kann es zu unerwünschten Lähmung benachbarter Muskeln kommen. Bei Injektionen im Hals und Gesichtsbereich werden selten Sehstörungen, Augentrockenheit, Doppelbilder, Schluckstörungen sowie eine Schwäche der Nackenmuskulatur beobachtet.

Neurologe Dr. Rainer Grass