Depression

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Was sind Depressionen?

Question-Mark-Icon.grey-26Die Depression im medizinischen Sinne ist eine ernste psychische Erkrankung, die mit niedergedrückter Stimmung, Freud- und Interessenlosigkeit sowie Antriebsarmut einhergeht.

Im Laufe ihres Lebens entwickeln etwa 17 Prozent der Allgemeinbevölkerung eine Depression. Man geht davon aus, dass bis zu ein Viertel der Patienten, die einen praktischen Arzt (Hausarzt) aufsuchen, an einer Depression leiden. Allerdings wird nur bei der Hälfte von ihnen die Erkrankung auch erkannt und wiederum nur bei einem Viertel davon ausreichend behandelt.

Je nach Ursache, Schweregrad und Symptomen wird zwischen verschiedenen Formen der psychischen Erkrankung unterschieden (z.B. unipolare Depression, bipolare Depression, saisonal abhängige Depression, Schwangerschaftsdepression).

Was sind die Ursachen einer Depression?

brain-icon_bearbeitet-1Bei einer Depression ist das Gleichgewicht von Botenstoffen (Neurotransmitter: Serotonin, Noradrenalin, Dopamin) in den Synapsen (Nervenverbindungen) des Gehirns verändert.

Meist sind ursächlich verschiedene Faktoren beteiligt, die erst im Zusammenspiel eine Depression hervorrufen. Genetische Faktoren  dürften bei der Entstehung der Depression gewisse Rolle spielen, weshalb sich eine familiäre Häufung depressiver Erkrankungen nachweisen lässt. Nicht zuletzt sind psychologische und Persönlichkeitsfaktoren sowie gesellschaftliche Umstände und Lebensereignisse von großer Bedeutung. Körperliche Erkrankungen als Ursache für depressive Symptome (wie zum Beispiel eine Schilddrüsen Unterfunktion) müssen berücksichtigt werden, auch äußere Faktoren, wie etwa die Jahreszeit können Einfluss auf die Stimmung haben.

Wie macht sich eine Depression bemerkbar?

symptom-icon-1 KopieIm Vordergrund stehen die gedrückte Stimmungslage, die Interessen- und Freudlosigkeit sowie ein Mangel an Antrieb. Vielfach wird ein Zustand der Gefühllosigkeit bzw. der inneren Leere beschrieben. Bei manchen Betroffenen kann es hingegen zu ängstlicher Anspannung und innerer Unruhe kommen. Auch machen sich vielfach Konzentrationsstörungen bemerkbar: Betroffene klagen etwa über Gedächtnislücken und nachlassendes Denkvermögen.

Störungen der “Befindlichkeit” mit überwiegend körperlichen Symptomen ohne erkennbare Ursache können ebenfalls Ausdruck einer Depression sein. Typisch für depressive Zustandsbilder sind auch Veränderungen des Biorhythmus: Es kommt zu Schlafstörungen zumeist in Form von frühzeitigem Erwachen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

diagnostic-iconEine Depression liegt dann vor, wenn eine gewisse Anzahl der oben angeführten Symptome über einen längeren Zeitraum bei einem Patienten nachweisbar ist und andere körperliche Erkrankungen als Ursache auszuschließen sind.

Die Diagnose wird klinisch gestellt, technische Hilfsbefunde (Blutuntersuchungen, EEG und MRI) sind nur selten erforderlich.

Wie wird eine Depression behandelt?

patient_treatment KopieBei der Behandlung der Depression kommen in erster Linie zwei Therapieformen zum Einsatz: Medikamente und Psychotherapie (häufig in Kombination eingesetzt). Wichtig ist, dass die Behandlung auf den jeweiligen Patienten individuell abgestimmt wird.

Medikamentöse Therapie: Antidepressiva

519283813Botenstoffe des Zentralnervensystems stellen die biochemisch Grundlagen einer medikamentösen Behandlung dar. Die Nervenzellen des Gehirns kommunizieren untereinander über verschiedene Substanzen, die Signale werden von einer Zelle zur anderen übertragen. Signal- bzw. Botenstoffe (Neurotransmitter) stehen beim Gesunden zueinander in einem bestimmten Gleichgewicht. Bei an Depression erkrankten Menschen ist dieses Gleichgewicht gestört, die Konzentration der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin  im Zentralnervensystem ist im Vergleich zu Gesunden erniedrigt.

Der Mangel an Neurotransmittern im Bereich der Synapsen kann medikamentös durch Antidepressiva ausgeglichen werden. Mit den mittlerweile zur Verfügung stehenden modernen Medikamenten lassen sich die Symptome einer Depression im Regelfall gut behandeln. Nach Besserung der depressiven Symptomatik besteht erst zumeist wieder die Möglichkeit, die Lösung einer belastender Lebenssituationen effizient  in Angriff zu nehmen.

Zu welchen Nebenwirkungen kann es kommen?

Preventing_Adverse_EventsWie bei anderen Medikamenten, so können auch bei Antidepressiva Nebenwirkungen auftreten. Diese machen sich meist zu Beginn der Behandlung bemerkbar, zu einem Zeitpunkt also, an dem die positive, antidepressive Wirkung noch nicht eingetreten ist. Die volle Wirkung von Antidepressiva ist oft erst frühestens nach 3-4 Wochen nach Therapiebeginn später zu erwarten.

Die heutzutage häufig verschriebenen modernen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind im Vergleich zu älteren Präparaten deutlich nebenwirkungsärmer und somit zumeist die erste Wahl. An vorübergehenden Nebenwirkungen steht vor allem Übelkeit am Anfang der Behandlung im Vordergrund, auch Schlafstörungen, Müdigkeit, Schwindel und Unruhe können auftreten. Da sehr selten (dosisabhängig) Herzrhythmusstörungen unter Therapie mit Antidepressiva auftreten können, sollte zu Beginn und im Verlauf der Behandlung routinemäßig EKG-Untersuchungen durchgeführt werden.

Im Laufe der weiteren Behandlung verschwinden diese anfänglichen Nebenwirkungen meist wieder. Entgegen weit verbreiteten Befürchtungen machen Antidepressiva im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka (etwa Schlaf- und Beruhigungsmitteln) auch bei langem Gebrauch nicht abhängig.

Wie lange dauert die medikamentöse Behandlung einer Depression?

calendarDa die Behandlung einer Depression Monate bis Jahre dauern kann, ist es wichtig, dass die Betroffenen ihrem Arzt vertrauen und die verordneten Arzneimittel regelmäßig und in der richtigen Dosierung einnehmen.

Bis Betroffene die stimmungsaufhellende Wirkung von Antidepressiva bemerken, dauert es je nach Wirkstoffgruppe in der Regel drei Wochen. So lange benötigt die medikamentöse Therapie, um das Gleichgewicht der im Gehirn wiederherzustellen.

Die Medikamente sollten auch nach Abklingen der depressiven Symptome über einen längeren Zeitraum weiterhin eingenommen werden, da ansonsten die Gefahr eines Wiederauftretens der Erkrankung besteht.

Prognose

unnamedBei einigen Erkrankten treten Rückfälle häufiger auf, was eine vorbeugende Behandlung erfordern kann. Vor allem im Alter kann es zu einer langen Dauer (Chronifizierung) einer depressiven Episode kommen.

Allgemein sind jedoch die Chancen gut, die jeweiligen depressiven Episoden erfolgreich zu behandeln! Die Kombination aus medikamentöser Behandlung und Psychotherapie kann vor allem die Dauer und den Ausprägungsgrad der einzelnen Depressionsphasen verringern. Die meisten Patienten erleben im Laufe ihres Lebens nur eine oder sehr wenige depressive Episoden.

Neurologe Dr. Rainer Grass